Der Wert von Leid und Bedrängnis in den Psalmen

Von: Margaret Glass

Lesezeit – 4 Minuten

Lass zu, dass Leid Gutes in deinem Leben bewirkt. Gott will damit dein Wohl und seine Ehre bezwecken.

Als ich kürzlich Brot backte, fragte ich mich: „Warum muss ich den Teig kneten? Was wäre, wenn ich diesen Schritt weglasse? Wie wird das Brot dann werden?” Also habe ich meine Frage „gegoogelt“ und herausgefunden, dass das Kneten den Teig elastischer macht und das Brot leicht und geschmeidig werden lässt. Das Kneten ist ein notwendiger Schritt für gutes Brot.

Leid kann uns auf Gott ausrichten

Manchmal identifiziere ich mich mit dem Teigklumpen – ich fühle mich ein wenig vom Leben gedrückt und gezerrt. So wie das Kneten gut für den Teig ist, zeigen die Psalmen, wie Leid gut für uns sein kann. In Psalm 119 stellte David fest, dass sein Bedrängnis ihn zur Schrift trieb, um Gottes Hilfe zu suchen. Er empfing die Hilfe vom Herrn und er drückte die „Freude” aus, durch die Wahrheiten der Schrift getröstet und belebt zu werden:

„Das ist mein Trost in meinem Elend, dass deine Zusage mich belebt hat” (Psalm 119,50).

„Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich. Jetzt aber halte ich dein Wort” (Psalm 119,67).

„Es war gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Ordnungen lernte” (Psalm 119,71).

„Wäre nicht dein Gesetz meine Lust gewesen, dann wäre ich verloren gegangen in meinem Elend” (Psalm 119,92).

„Angst und Bedrängnis haben mich erreicht. Deine Gebote sind meine Lust” (Psalm 119,143).

Ich muss zugeben, dass es wahr ist, dass Bedrängnis gut für mich gewesen ist. Es hat mich dazu gebracht, die Hilfe und Stärke des Herrn zu suchen. Tägliche Zeit in Gottes Wort ist für mich zu einem Muss geworden. Die Schwierigkeiten haben mir meine eigenen Grenzen bewusster gemacht und mich gezwungen zu erkennen, dass ich schwach bin. Ich brauche den Herrn und seine unterstützende Gegenwart, Gnade und Trost.

Leid kann uns reinigen

Die Psalmen machen deutlich, dass Leid auch dazu dient, uns zu reinigen. „Denn du hast uns geprüft, Gott, du hast uns geläutert, wie man Silber läutert” (Psalm 66,10). Der Psalmist hat erkannt, dass Gott eine Absicht hatte, als er Leid am Volk Israel zuließ: Es war ein Schmelztiegel, um die Unreinheiten in ihrem Leben zu verbrennen. Prüfungen – Schmelztiegel – läutern und reinigen uns, indem sie uns Gelegenheit zur Selbstprüfung und Reue geben: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz. Prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf dem ewigen Weg” (Psalm 139,23-24). Leid bringt uns in die richtige Haltung, um demütig zu überlegen, ob Gott vielleicht daran arbeitet, uns zu verfeinern: „Gibt es nicht bekannte Sünde in meinem Leben? Lebe ich mit Christus und bin gegenüber seinem Wort gehorsam? Stirbt täglich mein Ego und tue ich Buße über Sünde? Gibt es irgendwelche Götzen in meinem Herzen – irgendetwas, das ich mehr liebe als Jesus?” Leid kann dazu benutzt werden, diese Götzen zu verbrennen und uns zu reinigen.

Leid kann uns von der Welt entwöhnen

Wir können in den Psalmen sehen, dass wir von Bedrängnis profitieren, weil es uns von einer Liebe zur Welt entwöhnt. Wir erkennen die Nichtigkeit und Vergänglichkeit des Lebens und unsere eigene Hoffnungslosigkeit, die wir ohne Gott haben. Asaph drückt dies in Psalm 73,25-28 aus:

„Wen habe ich im Himmel? Und außer dir habe ich an nichts Gefallen auf der Erde. Mag auch mein Leib und mein Herz vergehen – meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig.

Denn siehe, es werden umkommen die, die sich von dir fernhalten. Du bringst zum Schweigen jeden, der dir die Treue bricht.

Ich aber: Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich; ich habe GOTT, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um alle deine Werke zu verkünden.“

Als Asaph sich wegen seiner Desillusionierung mit der Welt an Gott wandte, konnte er mit geistlichen Augen sehen und begreifen, dass die Welt nichts wirklich Wertvolles für seine Seele zu bieten hatte. Er fand wahre Zufriedenheit allein in Gott.

Leid kann uns Ausharren lehren

Die Psalmen zeigen uns, dass Bedrängnis uns Ausharren lehren kann. Einige der Psalmen sind Klagelieder, in denen die Schreiber zu Gott über ihre schlimmen Umstände aufschreien und der Herr gewährt ihnen Linderung, Trost und neue Hoffnung. Ihre Klage verwandelt sich in Freude. Aber Psalm 88 ist anders: Es gibt kein Happy End. Vom Anfang bis zum Ende ist es Not und Verzweiflung. Der Psalmist leidet körperlich, emotional und geistlich. Er schreit zu Gott, aber er erhält keine Antworten oder Erklärungen. Trotz des Schweigens Gottes, tut er das Richtige: „Ich aber, HERR, schreie zu dir, und am Morgen möge dir mein Gebet begegnen” (Psalm 88,14). Er gibt seine Gebete nicht auf. Er sucht beharrlich den Herrn.

Leid ist eine Gelegenheit für uns, Ausharren zu lernen. Wir müssen weiterhin das Richtige tun. Wir müssen den Herrn weiterhin täglich im Gebet suchen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass wir das Lesen und Meditieren in der Schrift vernachlässigen. Wir müssen uns wie David dazu entschließen, den Herrn anzubeten: „Preisen will ich den Herrn allezeit, ständig soll sein Lob in meinem Munde sein” (Psalm 34,2). David war durch Zeiten des Leids gegangen und konnte deshalb die Treue Gottes angesichts der Realität des Leidens bekräftigen: „Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er.” (Psalm 34,19). Gott wird treu sein und Gnade zum Ausharren geben.

Lerne von den Psalmisten

Wenn also Leid oder Bedrängnis kommen und das wird es, folge dem Beispiel der Psalmisten. Erlaube dem Leid, gute Dinge in deinem Leben zu bewirken. Gott bezweckt es zu deinem Wohl und zu seiner Ehre. Genau wie der Teig, der durch das Kneten geschmeidig wird.

Über die AutorinMargaret Glass und ihr Ehemann John sind Missionare und Teil der Organisation “Grace Ministries International”. Sie wohnen momentan in Frankreich und dienen in der Gemeindegründungsarbeit in Genf.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei ACBC:

https://biblicalcounseling.com/resource-library/articles/the-benefits-of-affliction-in-the-psalms/

Übersetzt mit Genehmigung von der „Association of Certified Biblical Counselors“ (ACBC). Für die Qualität der Übersetzung ist der Übersetzer verantwortlich.  Copyright © 2020 Association of Certified Biblical Counselors.

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